Vier Tage, vier Mittelgebirge und jede Menge Höhenmeter: Unsere Gravelbikepacking-Tour durch das Rheinische Schiefergebirge war genau das, was wir uns vorgenommen hatten – eine Mischung aus Abenteuer, Landschaft, langen Anstiegen, Schotterwegen, kleinen Orten und natürlich der einen oder anderen Erkenntnis, die man erst unterwegs gewinnt.
Wir wollten die höchsten Gipfel von Eifel, Hunsrück, Taunus und Westerwald miteinander verbinden. Herausgekommen ist eine Tour, die landschaftlich unglaublich abwechslungsreich ist, aber auch ordentlich Körner kostet. Und genau deshalb gibt es nach vier Tagen nicht nur schöne Erinnerungen, sondern auch einige Lessons Learned. Was würden wir beim nächsten Mal anders machen?
Hohen Acht: Das Finale hat es in sich
Und dann kam die Hohe Acht. Der letzte Anstieg hinauf zum höchsten Berg der Eifel war eine wirklich harte Nummer. Steil, lang und mit ordentlich Kilometern und Höhenmetern in den Beinen. Aber genau solche Anstiege bleiben im Gedächtnis. Oben angekommen entschädigt der grandiose Ausblick vom Turm für einiges. Ein weiteres Highlight war für uns die Fahrt entlang der Nürburgring-Nordschleife und vorbei am Fahrerlager. Nach den vielen ruhigen Wald- und Gravelpassagen ist das plötzlich eine ganz andere Welt.
Erbeskopf: Die letzten 100 Meter können es in sich haben
Wer die letzten Höhenmeter zum Erbeskopf nicht unbedingt mit einer kurzen „Trageeinheit“ auf einer Skipiste verbringen möchte, sollte sich für die letzten Kilometer besser für die Straße entscheiden. 100 Meter Gravelbike schieben klingt zunächst nach nichts. Mit Gepäck, nach bereits einigen Stunden im Sattel und mit dem Gipfel vor Augen sieht das allerdings plötzlich etwas anders aus. Unser Tipp: Wer es etwas entspannter mag, nimmt die Straße zur Plattform. Und noch ein Tipp: Das Schalkenmehrener Maar eignet sich hervorragend für einen Badestopp. Den würden wir beim nächsten Mal definitiv fest einplanen.
Der Rhein zwischen Bingen und Wiesbaden
Ein echtes Highlight war für uns die Strecke von Bingen bis zur Rheinbrücke Richtung Wiesbaden. Hier sollte man unbedingt unten am Rhein entlangfahren. Die Strecke ist größtenteils Schotter und fühlt sich eher nach Abenteuer als nach klassischem Radweg an. Weiter oben gibt es zwar ebenfalls Möglichkeiten, aber gerade dieser Abschnitt direkt am Rhein hat uns besonders gut gefallen. Fluss, Weinberge, Schotter und immer wieder neue Ausblicke – genau dafür macht man schließlich eine Gravelbikepacking-Tour.
Wiesbaden: Augen zu und durch
Einer der schwierigsten Abschnitte der gesamten Tour war überraschenderweise nicht einer der großen Anstiege, sondern die Durchquerung von Wiesbaden. Die Stadt lässt sich natürlich umfahren. Wirklich einfach ist das allerdings nicht. Rheinbrücken, Fähren und die Größe der Stadt machen eine saubere Gravel-Linie etwas kompliziert. Unsere Empfehlung lautet deshalb ganz pragmatisch: Augen zu und durch. Allerdings haben wir auch eine richtig schöne Alternative entdeckt: den Stadtteil Sonnenberg. Dort lohnt es sich, vorher durch den Park zu fahren und beim Edeka in Sonnenberg einen kleinen Coffee Stop einzulegen. Danach wartet allerdings der nächste Hammer: der sehr steile Anstieg Richtung Niedernhausen. Und genau solche Stellen sind es, die man bei einer Bikepacking-Tour irgendwann einfach akzeptiert. Erst Kaffee, dann Kletterei. So funktioniert das Leben.
Feldberg: Nicht am Kiosk stehen bleiben
Auch am Großen Feldberg haben wir etwas gelernt. Wer oben angekommen ist, sollte nicht einfach am Kiosk stehen bleiben, sondern lieber zur Hütte gehen und dort im unteren Stockwerk Pause machen. Das ist deutlich angenehmer und eignet sich besser für eine richtige Erholungspause. Der Anstieg dorthin über Ehlhalten und das Silberbachtal war übrigens eines unserer persönlichen Highlights: wunderschön, ruhig und gleichzeitig ordentlich anstrengend.
Lieber bis Runkel fahren
Eine Änderung würden wir bei der Etappenplanung ziemlich klar empfehlen: Die dritte Etappe würden wir bis Runkel verlängern. Der Ort ist wunderschön und eignet sich hervorragend als Übernachtungsort. Und wer nach einem langen Graveltag noch Lust auf eine Abkühlung hat, kann an der alten Brücke unten in die Lahn springen. Mehr Bikepacking-Romantik geht eigentlich kaum: Fahrrad abstellen, Sachen ausziehen und ab ins Wasser.
Fuchskaute: Vorher anrufen!
Auch für den Westerwald haben wir eine kleine Lektion gelernt: Die Telefonnummer vorher teilen und im Zweifel vorher anrufen. Denn nicht immer ist garantiert, dass dort geöffnet ist. Das klingt nach einer Kleinigkeit, kann nach einem langen Tag im Sattel aber durchaus einen Unterschied machen. Schließlich möchte niemand nach 55 Kilometern feststellen, dass der geplante Zielort gerade Feierabend gemacht hat.
Verpflegung: Tankstellen sind heilige Orte
Eine der wichtigsten Erkenntnisse unserer vier Tage: Verpflegung unterwegs sollte man nicht dem Zufall überlassen. Gerade bei sehr sommerlichen Temperaturen wird ausreichend Flüssigkeit schnell zum entscheidenden Faktor. Wer mit dem Gravelbike unterwegs ist und möglichst abseits der Straßen fährt, hat allerdings ein kleines Problem: Tankstellen, Supermärkte oder Cafés liegen eben nicht ständig direkt am Weg. Und eine Tankstelle zu finden, kann schon mal einen kleinen Umweg bedeuten. Aber wenn man dann eine entdeckt, ist die Freude umso größer. Denn plötzlich stehen da eiskalte Orangina, Calippo-Eis und Nussecken im Regal. Unsere Empfehlung deshalb: Verpflegungspunkte vorher auf der Route markieren und lieber einmal zu viel auffüllen als einmal zu wenig. Ein gut gefüllter Wasservorrat macht die nächsten Höhenmeter gleich deutlich sympathischer. Und manchmal ist eine Tankstelle eben nicht einfach nur eine Tankstelle – sondern der wichtigste POI des Tages.
Und dann waren da noch die vielen kleinen Highlights
Neben den vier großen Gipfeln waren es vor allem die vielen kleinen Abschnitte, die diese Tour so besonders gemacht haben. Der Moselblick bei Ürzig ist beispielsweise grandios. Von dort oben sieht man nicht nur weit über die Mosel, sondern hat auch einen fantastischen Blick auf die große Autobahnbrücke. Auch die Strecke von Veldenz bei Mülheim an der Mosel hinauf Richtung Erbeskopf durch den Wald war für uns ein echtes Highlight. Und genau das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis dieser vier Tage: Die Gipfel sind das Ziel – aber die Wege dazwischen sind das eigentliche Abenteuer.
Unser Fazit
Würden wir die Tour noch einmal fahren? Sofort. Würden wir sie exakt genauso fahren? Wahrscheinlich nicht. Ein paar Etappen würden wir anders aufteilen, einzelne Abschnitte anders planen und den einen oder anderen Badestopp ganz bewusst einbauen. Aber genau das macht eine solche Tour aus. Unsere Route soll deshalb auch gar kein fertiger „Fahrplan“ sein. Sie ist vielmehr eine Inspiration für eure eigene Tour durch das Rheinische Schiefergebirge. Wählt euch eure Übernachtungsorte, schaut euch die vier höchsten Gipfel an und baut eure ganz persönliche Linie dazwischen. Denn es gibt noch unzählige weitere Highlights, die wir hier gar nicht alle aufzählen können. Also: Fahrt die vier Etappen doch einfach selbst. Nehmt unsere Route als Inspiration, packt die Taschen, steigt aufs Gravelbike und findet eure eigenen Lieblingsstücke. Und wenn ihr nach vier Tagen wieder zurückkommt, habt ihr garantiert eure ganz persönlichen Lessons Learned im Gepäck.
Vielleicht sogar ein paar mehr als wir.
Die Tour zum Nachfahren
Ihr wollt wissen, wie wir die vier Etappen tatsächlich gefahren sind? Hier findet ihr unsere aufgezeichneten Strava-Routen – inklusive aller Höhenmeter, Kilometer und kleinen Schlenker, die sich unterwegs so ergeben haben. Ein besonderer Dank geht dabei an Stefan, unseren Tourguide und Navigator. Ohne ihn hätte ich vermutlich deutlich mehr Zeit damit verbracht, die Landschaft zu genießen … äh, mich zu verfahren. Nehmt die Tracks gerne als Inspiration für eure eigene Tour. Denn gerade beim Bikepacking gilt: Die beste Route ist die, die am Ende eure eigene Geschichte erzählt.
1. Etappe von Koblenz nach Zeltingen-Rachtig
2. Etappe von Zeltingen-Rachtig nach Bingen
3. Etappe von Bingen nach Dauborn
4. Etappe von Dauborn nach Koblenz
Noch mehr Gravel gibt’s auf Instagram
Die Tour gibt’s nicht nur als GPS-Track, sondern auch in bewegten Bildern. Auf Instagram haben wir einige schöne Reels von den vier Tagen gesammelt – mit Landschaft, Schotter, Gipfeln und den kleinen Momenten dazwischen.
Einfach mal reinschauen – vielleicht bekommt ihr danach ja selbst Lust, die Taschen zu packen und loszufahren.
Part 1: Vier Gipfel, vier Tage, jede Menge Gravel
Part 2: Vier Gipfel, vier Tage, jede Menge Gravel
Part 3: Vier Gipfel, vier Tage, jede Menge Gravel
Part 4: Vier Gipfel, vier Tage, jede Menge Gravel
Bilder der Bikepacking-Tour








