Wenn man sich heute anschaut, wie selbstverständlich Jogging in unserem Alltag geworden ist, vergisst man schnell, dass diese ganze Bewegung eigentlich noch gar nicht so alt ist. Ich beschäftige mich seit Jahrzehnten mit Ausdauersport – und gerade deshalb finde ich die Geschichte hinter dem Jogging unglaublich spannend. Also hier mal meine persönliche Sicht darauf, wie das alles entstanden ist und warum wir heute manchmal die Begriffe Jogging und Running durcheinanderwerfen.
Woher kommt Jogging eigentlich?
Das Wort „jog“ gibt es schon ewig, aber mit Sport hatte das früher nichts zu tun. Erst in den 1960er-Jahren bekam „Jogging“ den Charakter, den wir heute kennen. Der neuseeländische Trainer Arthur Lydiard brachte damals ganz normale Menschen dazu, locker durch die Straßen zu traben – einfach, um fitter und gesünder zu werden. Dieses entspannte Laufen hat mich schon immer fasziniert, weil es so unglaublich niedrigschwellig ist: Schuhe an, raus, bewegen. Punkt.
Wie Nike und Bill Bowerman Jogging groß gemacht haben
Eine Figur, die mich in der ganzen Jogging-Historie immer wieder beeindruckt, ist Bill Bowerman, Mitgründer von Nike. Er war bei Lydiard zu Besuch, lief mit, fand das Konzept genial – und nahm es mit in die USA. Dort startete er Laufgruppen, schrieb das Buch Jogging und brachte damit einen riesigen Gesundheitsboom ins Rollen.
Und klar: Nike hatte natürlich die passenden Schuhe am Start. Es war eine Mischung aus sportlicher Idee, Zeitgeist und später auch ein bisschen Marketing. Aber ohne Bowerman wäre Jogging vermutlich viel später bei uns angekommen.
Wie Jogging nach Deutschland kam – und warum wir so geprägt sind
In Deutschland hatten wir unsere ganz eigene Entwicklung. Der deutsche Arzt Ernst van Aaken predigte schon in den 50ern und 60ern „lange, langsame Läufe“. Damit war er seiner Zeit voraus.
Richtig durch die Decke ging das Thema aber erst mit der Trimm-Dich-Bewegung Anfang der 70er. Auf einmal gab es überall Trimm-Dich-Pfade, Poster, Kampagnen, und Joggen wurde zum Breitensport. Parallel entstanden immer mehr Volksläufe, irgendwann die großen Marathons – und Laufen wurde in Deutschland zu etwas völlig Normalem. Ich finde das bis heute genial: Dass ein so einfacher Sport eine ganze Gesellschaft verändern kann.
Jogging oder Running – warum ich da klar unterscheide
Jetzt mal zu meinem persönlichen Lieblingsthema: der Unterschied zwischen Jogging und Running.
Für mich ist das klar:
- Jogging = entspannt, locker, für die Gesundheit, Kopf freibekommen
- Running = ambitioniert, Training, Wettkampfgedanke, klare Ziele
Heute nennen viele Gruppen sich „Running Club“, laufen aber 5:45 oder 6:15 Pace und machen Coffee Runs. Was super ist – aber halt eigentlich klassisches Jogging.
Meine persönliche Meinung:
Running fängt da an, wo ich gezielt trainiere und Leistung raushole.
Wenn jemand 5 km unter 20 Minuten läuft, dann reden wir über „Laufen“ im sportlichen Sinne. Alles darüber ist für mich wertvolles, aber entspanntes Jogging. Und Jogging ist überhaupt nichts Zweitklassiges – im Gegenteil. Ohne Jogging gäbe es kein Running.
Warum mir das wichtig ist
Als Gründer von Natural Sports Hub Koblenz ist Bewegung für mich immer mehr als nur Tempo oder Pace. Ich liebe die Historie dahinter, die Entwicklung und den Gedanken, dass jeder Mensch laufen kann – egal in welchem Tempo. Jogging hat eine ganze Bewegung ins Rollen gebracht. Running ist daraus entstanden. Und beide gehören für mich zusammen wie Rennrad und Gravelbike: anderes Mindset, gleicher Spirit.
