Gravelrunde Rheinisches Schiefergebirge
Etappe 2 von 4
Von Ürzig nach Stromberg
Etappe von Stefan Bur
Info Etappe 2
Der zweite Tag führt aus dem Moseltal hinauf auf die Höhen des Hunsrücks: vorbei an der Burgruine Veldenz, durch die Energielandschaft Morbach mit ihren weit sichtbaren Windrädern, bis hinauf zum Erbeskopf, dem höchsten Berg von Rheinland-Pfalz und Herzstück des jungen Nationalparks Hunsrück-Hochwald. Über stille Hochflächen und durch Woppenroth und Gehlweiler, die als Drehorte der Heimat-Trilogie von Edgar Reitz Filmgeschichte schrieben, rollt die Route schließlich hinab ins Guldenbachtal zur Fachwerkstadt Stromberg, dem Tor zum Soonwald. Eine Etappe mit langem Atem: rund 120 Kilometer, bei 1.900 Höhenmetern.
Detaillierte Wegbeschreibung
Entlang der Mosel nach Mühlheim
Von Ürzig aus folgen wir zunächst kurz dem Moselufer flussaufwärts nach Mühlheim an der Mosel, bevor wir dem Fluss den Rücken kehren und ins Hunsrück-Hinterland abbiegen.
Hinauf aus dem Moseltal nach Veldenz
Schon nach wenigen Kilometern beginnt der erste ernsthafte Anstieg des Tages, der uns aus dem Weinbauklima der Mosel hinauf auf die Hunsrückhöhen bringt. In Veldenz lohnt ein Blick zur Burgruine, die hoch über dem gleichnamigen Dorf thront: Hier hatte einst die Grafschaft Veldenz ihren Stammsitz, eine der einflussreichsten Adelsfamilien der Region im Mittelalter. Von der Burg schweift der Blick noch einmal zurück ins Moseltal, bevor wir endgültig ins Hochland eintauchen.
Durch die Energielandschaft Morbach zum Erbeskopf
Über Gonzerath erreichen wir Morbach, die heimliche Hauptstadt dieses Streckenabschnitts. Nördlich des Ortes liegt die Energielandschaft Morbach – ein ehemaliges Munitionsdepot der US-Luftwaffe, auf dessen 145 Hektar heute Windräder, Solarflächen und eine Biogasanlage Strom für rund 13.000 Haushalte liefern, ein viel beachtetes Vorzeigeprojekt der Energiewende. Morbach ist zugleich der Geburtsort von Edgar Reitz, dessen Elternhaus im Ortskern heute das kleine Café Heimat beherbergt – ein erster Vorgeschmack auf das, was uns später in Woppenroth und Gehlweiler erwartet. Von Morbach aus steigt die Strecke weiter an, bis wir den Erbeskopf erreichen: mit 816 Metern der höchste Berg von Rheinland-Pfalz und die höchste Erhebung Deutschlands westlich des Rheins. Der Gipfel liegt mitten im Nationalpark Hunsrück-Hochwald, Deutschlands jüngstem Nationalpark, und wird von der Aussichtsskulptur „Windklang“ sowie dem hölzernen Erbeskopfturm gekrönt – beide mit weiten Blicken über die Hunsrückwälder, bei klarer Sicht bis zu den Vulkanbergen der Eifel.
Auf den Spuren von Schabbach – durchs Hunsrück-Hochland
Vom Erbeskopf führt die Route über lange, wellige Hochflächen in Richtung Rhaunen, einem kleinen Städtchen mit noch erkennbaren Resten der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Über Hausen, wo ein kleiner Bach mitten durchs Dorf plätschert, erreichen wir Woppenroth – und damit das eigentliche Schabbach. Edgar Reitz drehte hier den Großteil seiner Heimat-Trilogie; an einem Haus hängt noch das originale Ortsschild „Schabbach“, und auf einem Vorgarten steht der Stein mit der Aufschrift HEIMAT, wie er im Vorspann jeder Folge zu sehen war. Nur wenige Kilometer weiter, über Schlierschied, liegt Gehlweiler, das zweite Schabbach-Dorf: Hier stehen die alte Schmiede und das Wohnhaus der Familie Simon, der Dreh- und Angelpunkt der gesamten Filmreihe.
Über den Soonwald-Kamm hinab nach Stromberg
Von Gehlweiler aus ist die Etappe noch nicht ausgerollt: Ein letzter, spürbarer Anstieg führt uns auf den bewaldeten Höhenkamm des Soonwaldes, der mit bis zu 657 Metern eine der markantesten Erhebungen des Hunsrücks bildet – ein letztes Mal dichter Wald, Stille und das Gefühl, mitten im „wilden“ Soonwald zu stecken, von dem so viele Sagen erzählen. Erst danach beginnt die eigentliche, lang gezogene Schlussabfahrt, die uns aus dem Wald hinaus und hinunter ins Guldenbachtal nach Stromberg bringt. Die kleine Fachwerkstadt nennt sich selbst die Heimat des „Deutschen Michel“ – nach dem Reitergeneral Hans Michael Elias von Obentraut, der 1574 auf der Stromburg geboren wurde, die heute als Burghotel mit Restaurant über der Altstadt wacht. Mit seinen drei Burgen, der malerischen Altstadt und der Lage am Übergang vom Hunsrück zum Nahetal ist Stromberg ein würdiger Schlusspunkt des zweiten Tourtages.
Anreise
Anfahrt
Mit dem PKW ist Ürzig über die Autobahnen A1 und A48 (Koblenz–Trier) bequem erreichbar, Abfahrt Wittlich-Mitte. Von dort folgen Sie der B50 in Richtung Zeltingen-Rachtig/Bernkastel-Kues und weiter der B53 (Moselweinstraße) direkt bis nach Ürzig. Aus Richtung Frankfurt/Rheinhessen bietet sich alternativ die A61 bis Rheinböllen an, von dort über die B50 Richtung Trier/Flughafen Hahn bis Traben-Trarbach und über die Moselbrücke weiter auf der B53 bis Ürzig.
Öffentliche Verkehrsmittel
Ürzig besitzt einen eigenen Bahnhof an der Moselstrecke zwischen Koblenz und Trier, der im Stundentakt von Regionalzügen bedient wird; er liegt rund drei Kilometer außerhalb des Ortskerns direkt am Moselufer. Eine dichtere Taktung und mehr Direktverbindungen – unter anderem aus Köln, Saarbrücken, Mannheim und Luxemburg – bietet der nahegelegene Bahnhof Wittlich, von dem aus Sie mit Regionalbus oder Taxi die letzten Kilometer nach Ürzig zurücklegen.
Vom Bahnhof Ürzig erreichen Sie den Startort am Moselufer bequem zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Weitere Informationen zur Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln finden Sie auf der Website der Deutschen Bahn.
Sicherheitshinweise
Die Saison und das Klima
Das Rheinische Schiefergebirge mit seinen Mittelgebirgslandschaften in Eifel, Hunsrück, Westerwald und Taunus ist eine der abwechslungsreichsten Outdoor-Regionen Deutschlands. Das Klima wird von den Flusstälern von Rhein, Mosel, Lahn und Ahr sowie den umliegenden Höhenzügen geprägt. Dadurch können die Wetterbedingungen innerhalb weniger Kilometer deutlich variieren.
Während in den geschützten Tälern oft angenehme Temperaturen herrschen, kann es auf den Höhenlagen deutlich kühler und windiger sein. Besonders im Frühjahr und Herbst sind schnelle Wetterwechsel keine Seltenheit. Dafür belohnt die Region mit einer langen Outdoor-Saison und beeindruckenden Landschaften.
Für Radfahrer und Wanderer beginnt die Saison meist bereits im März und reicht bis in den späten Oktober hinein. Im Frühjahr verwandeln blühende Obstbäume, Ginsterfelder und frisches Grün die Landschaft in ein farbenfrohes Naturerlebnis. Der Sommer bietet ideale Bedingungen für ausgedehnte Touren durch die Mittelgebirge und entlang der Flüsse. Im Herbst zeigt sich die Region von ihrer schönsten Seite: Bunte Laubwälder, Weinberge und oft stabile Hochdrucklagen sorgen für perfekte Bedingungen auf den Trails und Straßen.
Bitte beachte, dass insbesondere in den Mittelgebirgen Wetterumschwünge schnell auftreten können. Informiere dich vor jeder Tour über die aktuelle Wetterlage und starte nicht bei angekündigten Unwettern oder Gewittern.
Wichtige Telefonnummern
Bei Notfällen oder in Schwierigkeiten helfen folgende Telefonnummern:
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Polizeinotruf: 110
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Feuerwehr: 112
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Rettungsdienst: 112
Trotz des Schocks und der Verwirrung in einer Notlage ist ein korrekt abgesetzter Notruf entscheidend. Denken Sie an die W-Fragen:
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Wer ruft an?
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Wo ist der Einsatzort?
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Was ist passiert?
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Wie viele Personen sind betroffen?
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Welche Verletzungen liegen vor?
Wichtig: Legen Sie nicht auf, sondern warten Sie auf mögliche Rückfragen der Leitstelle.
Fahrrad
Die Wahl des richtigen Fahrrads
Eine mehrtägige Gravel-Bikepacking-Tour stellt andere Anforderungen als eine klassische Tagestour. Auf langen Etappen über Schotterwege, Waldstraßen, Nebenstraßen und Trails sind Zuverlässigkeit, Komfort und ausreichend Stauraum entscheidend.
Ideal geeignet sind Gravelbikes oder leichte Bikepacking-Räder mit einer komfortablen Sitzposition, zuverlässigen Bremsen und einer Bereifung, die sowohl auf Asphalt als auch auf losem Untergrund überzeugt. Wer mehrere Tage unterwegs ist, sollte sein Fahrrad vor der Tour gründlich überprüfen und gegebenenfalls warten lassen.
Beim Bikepacking wird das Gepäck direkt am Fahrrad befestigt. Typische Taschen werden am Lenker, Rahmen, Oberrohr und unter dem Sattel montiert. Achten Sie darauf, das Gewicht möglichst gleichmäßig zu verteilen und nur die wirklich benötigte Ausrüstung mitzunehmen. Weniger Gepäck bedeutet mehr Fahrspaß – besonders in den Anstiegen des Rheinischen Schiefergebirges.
Ausrüstung
Checkliste für Ihre Bikepacking-Ausrüstung
Bekleidung
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Atmungsaktive Funktionskleidung im Zwiebelprinzip
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Wind- und wasserdichte Jacke
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Gepolsterte Radhose
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Radtrikot oder Funktionsshirt
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Armlinge, Beinlinge oder leichte Zusatzschichten je nach Jahreszeit
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Winddichte Handschuhe
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Helm und Sonnenbrille
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Wechselkleidung für die Abendstunden
Fahrrad und Technik
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Gravelbike oder Bikepacking-taugliches Fahrrad
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Beleuchtung für Dämmerung und Nachtfahrten
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GPS-Gerät oder Smartphone mit Offline-Karten
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Powerbank und Ladekabel
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Ersatzschlauch, Tubeless-Reparaturset oder Flickzeug
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Minipumpe oder CO₂-Kartusche
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Multitool und Kettenschloss
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Kleine Menge Kettenöl
Verpflegung und Sicherheit
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Ausreichend Trinkflaschen oder Trinkblase
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Energieriegel, Gels oder andere Snacks
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Kleine Reiseapotheke
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Personalausweis, EC-Karte und Krankenversicherungskarte
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Bargeld für kleinere Einkäufe unterwegs
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Mobiltelefon mit geladenem Akku
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Notfallkontakte
Tipp
Das Wetter in Eifel, Hunsrück, Westerwald und Taunus kann sich schnell ändern. Planen Sie ausreichend Reserven bei Kleidung, Verpflegung und Tagesetappen ein. Wer gut vorbereitet startet, kann die Vielfalt des Rheinischen Schiefergebirges mit seinen Wäldern, Flusstälern, Höhenzügen und abgelegenen Schotterwegen besonders genießen.



